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WM26: Deutschland fährt verdient nach Hause!

WM26: Deutschland fährt verdient nach Hause! | Symbolbild KI-generiert © 2026 EMH AG JS by OpenAI 5.5

Das war kein Pech, ein VAR-Ärger, ein bitterer Abend vom Punkt? Es war dieses 1:1 nach Verlängerung und 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay der nächste ungeschminkte Befund einer Fußballnation, die ihren alten Rang noch erinnert, aber auf dem Platz immer seltener beweist? Deutschland ist bei der WM 2026 ausgeschieden, und wer dieses Spiel sah, konnte schwerlich behaupten, hier sei ein Gigant brutal aus dem Turnier gerissen worden. Es wirkte eher wie der sportliche Offenbarungseid einer Mannschaft, die Ballbesitz hatte, aber kaum Durchschlagskraft; die anlief, aber selten wirklich angriff; die am Ende sogar das verlor, was früher fast deutscher Besitzstand war: das Elfmeterschießen.1Sportschau-Spielbericht Deutschland gegen Paraguay
Der Bericht dokumentiert Ergebnis, Spielverlauf, Havertz-Tor, Elfmeterschießen und die zentrale Bewertung des deutschen Ausscheidens gegen Paraguay.

Natürlich gehört zur Wahrheit: Das aberkannte Kopfballtor von Jonathan Tah in der Verlängerung bleibt der große Aufreger dieses Abends. Wenn ein Verteidiger im Strafraum steht, ein Tor fällt und der Videoeingriff anschließend ein angebliches Foul feststellt, drängt sich nicht die Frage auf, ob hier der VAR versagt hat und das Spiel verbogen hat, sondern eher ob eine Topmannschaft sowas lächelnd wegstecken kann. Doch genau an dieser Stelle beginnt die gefährliche Bequemlichkeit. Wer alles auf diese Szene schiebt, macht es sich zu einfach. Ein K.o.-Spiel dauert nicht nur eine überprüfte Strafraumszene, sondern 120 Minuten. Und diese 120 Minuten waren aus deutscher Sicht über weite Strecken ein Lehrstück in zähem Rumpelfußball.

Ballbesitz ohne Biss ist keine Dominanz

Paraguay machte, was Paraguay machen musste: eng stehen, hart arbeiten, Zweikämpfe führen, lange Bälle setzen, Deutschland den Ball lassen und im entscheidenden Raum den Sauerstoff abdrehen. Das mag ästhetisch nicht nach Champagnerfußball ausgesehen haben, war aber effektiv. Deutschland dagegen wirkte über weite Phasen wie eine Mannschaft, die zwar die Bedienungsanleitung für Ballzirkulation kennt, aber vergessen hat, wofür das Tor aufgestellt wurde. Bis 30 Meter vor dem paraguayischen Strafraum sah vieles kontrolliert aus. Danach wurde es eng, fahrig und oft erschreckend einfallslos.

Das 0:1 durch Julio Enciso passte in dieses Bild: eine Fehlerkette, beginnend mit Manuel Neuers missglückter Klärung nach einer Ecke, anschließend fehlende Konsequenz auf der linken Seite und zu viel Raum im Zentrum. Wer in solchen Momenten international bestehen will, darf nicht nur Struktur predigen, sondern muss sie auch verteidigen. Stattdessen bekam Deutschland wieder diese kalte Turnierluft zu spüren, die schon 2018 und 2022 so unangenehm war: Anspruch riesig, Wirkung klein, Frust maximal.

Kai Havertz rettete die Mannschaft nach der Pause mit einem Kopfball zum 1:1 zurück ins Spiel. Dieser Treffer war wichtig, aber er war eher Erlösung aus dem Nichts als Ausdruck einer drückenden Überlegenheit. Genau darin lag das Problem. Deutschland hatte Möglichkeiten, aber selten jene brutale Klarheit, die ein K.o.-Spiel verlangt. Deniz Undav blieb in seinem Startelfeinsatz nahezu unsichtbar, Florian Wirtz brachte immerhin einige gefährliche Bälle, Leon Goretzka näherte sich der Führung an. Doch aus all dem entstand kein Sturm, sondern ein Wetterleuchten.

Der VAR erklärt nicht die Ideenarmut

Die Aberkennung des Tah-Tores darf scharf kritisiert werden. Schiedsrichter Jalal Jayed sah nach Videobildern ein Foul von Waldemar Anton an Torwart Orlando Gill, obwohl die Szene zumindest erheblich diskussionswürdig erscheint. Auch eine fachliche Schiedsrichterbewertung sah darin eine Fehlentscheidung.2Sportschau-Schiedsrichteranalyse zur Tah-Szene
Die Quelle ordnet die aberkannte deutsche Führung fachlich ein und dient als Beleg für die strittige Bewertung der VAR-Entscheidung.
Nagelsmanns Wort vom „Witz“ ist emotional nachvollziehbar. Aber sportlich bleibt die Gegenfrage zulässig: Warum braucht Deutschland gegen Paraguay überhaupt diese eine Szene, um eine überzeugende Leistung zu behaupten?

Die Regeln zum Videoeinsatz ändern nichts daran, dass ein Eingriff nur helfen soll, klare Fehler zu korrigieren, nicht eine neue Auslegungsshow zu eröffnen.6IFAB Laws of the Game 2026
Das Regelwerk liefert den Kontext für Schiedsrichter- und VAR-Bewertungen, ohne daraus automatisch eine absichtliche Benachteiligung abzuleiten.
Gerade deshalb bleibt die Szene bitter. Doch sie darf nicht als Vollkasko-Ausrede herhalten. Wer 120 Minuten lang so schwerfällig, so ungefährlich und so vorhersehbar agiert, verliert nicht nur wegen eines Pfiffs. Er verliert auch wegen sich selbst.

Wenn selbst der Punkt nicht mehr deutsch ist

Dann kam das Elfmeterschießen. Früher war das die deutsche Komfortzone, heute wurde sie zur nächsten Bühne der Fremdscham. Havertz verschoss. Nick Woltemade verschoss. Tah schoss den Ball weit über das Tor. Neuer hielt zwischenzeitlich noch gegen Fabian Balbuena, dieser alte Reflex eines großen Torwarts, der einen letzten Rettungsanker warf. Aber selbst dieser Moment reichte nicht. José Canale verwandelte den entscheidenden Versuch für Paraguay, und Deutschland war raus.

Dass Deutschland damit erstmals ein WM-Elfmeterschießen verlor, macht den Befund noch schmerzhafter.3Sportschau-Liveblog zum deutschen WM-Aus
Der Liveblog belegt das Ausscheiden, das erstmals verlorene deutsche WM-Elfmeterschießen und die unmittelbaren Reaktionen nach dem Spiel.
Man muss daraus keine historische Endzeitdiagnose basteln. Aber als Symbol ist es brutal: Deutschland kann in diesem Turnier nicht einmal mehr auf die alte Nervenstärke bauen. Die Mannschaft verlor nicht gegen ein übermächtiges Fußballimperium, sondern gegen Paraguay, gegen Widerstand, gegen Frust, gegen die eigene Ratlosigkeit und am Ende gegen den Punkt.

Auch internationale Berichte zeichneten das Bild eines deutschen Scheiterns, bei dem die verschossenen Elfmeter und die umstrittene VAR-Szene zentrale Rollen spielten.4Sky Sports Match Report Germany v Paraguay
Der internationale Spielbericht beschreibt Paraguays Sieg, deutsche Fehlschützen und die kontroverse Szene um das aberkannte deutsche Tor.
Reuters hob zudem Paraguays historischen Erfolg und die Dramaturgie des Elfmeterschießens hervor.5Reuters zu Paraguays historischem Sieg
Die Agenturmeldung liefert internationale Einordnung zu Paraguays Erfolg, defensiver Stabilität und der Elfmeterentscheidung gegen Deutschland.
Der deutsche Blick darf deshalb nicht bei Empörung stehen bleiben. Er muss tiefer gehen.

Nagelsmann und die Frage nach dem nächsten Umbruch

Julian Nagelsmann sagte nach dem Spiel, er sei keiner, der weglaufe, kenne aber die Mechanismen im Fußball. Das klingt ehrlich, aber auch wie ein Satz aus jener Zone, in der Verträge noch gelten und Debatten trotzdem längst begonnen haben. Sein Vertrag beim DFB läuft bis 2028.7DFB zur Vertragsverlängerung Nagelsmanns
Die offizielle DFB-Mitteilung belegt die Vertragslage bis 2028 und begrenzt die Trainerdebatte auf eine sportliche Zukunftsfrage.
Daraus folgt nicht automatisch, dass er gehen muss. Aber wer nach 2018, 2022 und nun 2026 erneut ein enttäuschendes Turnier erklären muss, steht zwangsläufig im Zentrum der Analyse.

Havertz selbst sagte sinngemäß, Deutschland scheine international nicht mehr erstklassig zu sein. Das ist kein Satz aus der Kabine eines Miesmachers, sondern aus dem Mund eines Spielers, der auf dem Platz stand. Genau deshalb trifft er so hart. Vielleicht ist das der Satz dieses Abends. Nicht der VAR war der eigentliche Skandal, sondern die Möglichkeit, dass diese Mannschaft ihr eigenes Niveau nüchterner erkennt als viele Sonntagsreden rund um den DFB.

Der Blick zurück verschärft diese Lesart. 2018 war Deutschland als Titelverteidiger in der Gruppenphase gescheitert, 2022 erneut früh ausgeschieden.8Olympics.com zum deutschen Gruppen-Aus 2022
Der Rückblick ordnet das deutsche Ausscheiden 2022 ein und liefert historischen Kontext für die Serie enttäuschender Turnierleistungen.
2026 ging es zwar formal weiter, aber nicht weit genug, um von einer echten Rückkehr zu sprechen. Das Achtelfinale als Trostpreis? Für eine Fußballnation mit diesem Anspruch klingt das eher wie Selbstberuhigung.

Kein Trost durch andere Pleiten

Ja, auch die Niederlande scheiterten am Montag im Elfmeterschießen gegen Marokko.10Reuters zu Niederlande gegen Marokko
Die Meldung belegt Marokkos Weiterkommen nach Elfmeterschießen und dient nur als Kontext, nicht als Entlastung Deutschlands.
Ja, Brasilien musste gegen Japan hart arbeiten und gewann nur 2:1.9Sportschau-Ergebnis Brasilien gegen Japan
Der Ergebnislink belegt Brasiliens 2:1 gegen Japan und stützt den Vergleich, ohne Deutschlands Ausscheiden zu relativieren.
Aber das ist kein Trost. Andere Probleme machen das deutsche Problem nicht kleiner. Sie zeigen nur, dass K.o.-Spiele brutal sind. Wer bestehen will, braucht Klarheit, Tempo, Widerstandskraft und Nerven. Deutschland hatte von allem zu wenig.

Die bequemste Erzählung wäre nun: Der Schiedsrichter war schuld, Paraguay war unbequem, das Elfmeterschießen ist Lotterie. Die härtere, aber ehrlichere Lesart lautet: Deutschland spielte zu lange dahin, fand zu selten Lösungen und wirkte in entscheidenden Momenten nicht wie ein Titelkandidat, sondern wie eine Mannschaft, die mit der eigenen Vergangenheit überfordert ist. Ballbesitz ist kein Anspruchsnachweis. Ballbesitz ohne Gefahr ist Verwaltung. Und Verwaltung gewinnt keine Weltmeisterschaft.

So bleibt am Ende ein bitterer Befund: Deutschland fährt nach Hause, und das nicht nur wegen eines Videobildes, eines verschossenen Elfmeters oder eines unglücklichen Moments. Deutschland fährt nach Hause, weil es gegen Paraguay nicht genug war. Nicht schnell genug. Nicht zwingend genug. Nicht mutig genug. Und vielleicht ist genau das die schlimmste Nachricht dieses WM-Abends: Dieses Aus fühlt sich nicht wie ein Schock an, sondern wie die Fortsetzung einer Entwicklung, die viel zu lange schöngeredet wurde.

 

Alle bisherigen K.o.-Spiele:

Sonntag, der 28. Juni 2026
Spiel 73: Südafrika – Kanada 0:1 – Los-Angeles-Stadion

Montag, der 29. Juni 2026
Spiel 74: Deutschland – Paraguay 1:1 n.V. (3:4 i.E.)
Spiel 75: Niederlande – Marokko 1:1 n.V. (2:3 i.E.)
Spiel 76: Brasilien – Japan 2:1 – Houston-Stadion

 

Pressekontakt:
Nordwell Horizon AG
Redaktion Fussball
Turmstrasse 18
6312 Steinhausen
E-Mail: info(at)nordwellhorizon.com
Internet: www.nordwellhorizon.ch

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